„Hacker“ entwickeln gemeinsam mit Reha-Experten VR-Anwendungen für den Reha-Alltag

„Wir stehen erst am Anfang einer spannenden Entwicklung“

Chefärztin PD Dr. med. Kristina Müller (hinten, Mitte) mit den Preisträgern des Teams „Crystal Ball“ (vorn) und den Jurymitgliedern des Hackathon nach der Preisverleihung in der St. Mauritius Therapieklinik.

Wie Virtuelle Realität (VR) in der Reha eingesetzt werden kann, um Kinder und Jugendliche nach schweren Hirnverletzungen wieder stärker am realen Leben teilhaben zu lassen, war Aufgabe und Ziel eines „Hackathons“ am vergangenen Wochenende in der St. Mauritius Therapieklinik in Meerbusch bei Düsseldorf. Hier trafen sich 40 Hacker, darunter IT-Experten, Spieldesigner, Ärzte, Pädagogen, Psychologen und Therapeuten verschiedenster Fachrichtungen. Sie wurden unterstützt durch Fachexperten der Neuropsychologie der St. Mauritius Therapieklinik und der RWTH Aachen.

Sieben Teams wetteiferten untereinander um den kreativsten Ansatz. Preisträger wurden die Entwickler des VR-Memoryspiels „Crystal Ball“, an dem eine Lehrerin, eine Psychologin und ein Sprachtherapeut der St. Mauritius Therapieklinik mitwirkten. Es handelt sich um ein personalisierbares Spiel, in dem die virtuelle Realität mit der echten Umgebung verknüpft ist (augmented reality), um die Leistung des Arbeitsgedächtnisses zu trainieren. Die Preisträger gewinnen eine Fahrt ins VR-Lab an die Universität Lille in Frankreich.

Die sechsköpfige Jury begründete ihre Entscheidung für den Preisträger vor dem Hintergrund der vielfältigen Einsatzfähigkeit des Spiels im Therapiealltag. Es schaffe eine virtuelle Realität innerhalb der echten Erlebniswelt, die über eine VR-Brille sichtbar wird. Der Patient erhält die Aufgabe, sich z.B. Standorte zu merken oder Figuren zu identifizieren. Dadurch werden das Arbeitsgedächtnis und die Erinnerungsfähigkeit trainiert und Hilfen angeboten, die strategische Entscheidungen fördern. Das VR-Spiel lässt sich zudem flexibel auf den Therapiealltag des Patienten und seine Bedürfnisse anpassen. PD Dr. med. Kristina Müller freut sich über so viel Engagement auf dem Mauritius-Hackathon: „Alle Teilnehmer haben über drei Tage ihre Expertise und Kreativität unter Beweis gestellt, um VR-Therapie für die Reha auf den Weg zu bringen. Die Ergebnisse haben großes Potential und lassen erkennen, dass wir gerade erst am Anfang einer spannenden Entwicklung stehen.“

Möglich wurde der Hackathon durch ein europäisches Förderprogramm (Interreg North-West Europe), das Anfang 2018 insgesamt 2,4 Millionen Euro für ein Projekt zur Erforschung und Anwendung der VR im Genesungsprozess von Reha-Patienten bereitgestellt hat. Unter dem Namen VR4REHAB haben sich Universitäten, Reha-Kliniken und Unternehmen in einer Projektgruppe zusammengeschlossen, um Forschung und Anwendung der VR für Reha-Patienten rascher voranzubringen – darunter die Neuropädiatrie der St. Mauritius Therapieklinik im VKKD | Verbund Katholischer Kliniken Düsseldorf, die Austragungsort des vierten Hackathons 2018 ist.

Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt und plant in der ersten Phase fünf so genannte „Hackathone“, auf denen nützliche und kreative Ideen zusammengetragen werden. Hier sollen erste neue Ideen zur Anwendung von Therapie-Paradigmen entstehen, die dann technisch umgesetzt und unter wissenschaftlicher Begleitung im Reha-Alltag erprobt werden können. Der Anteil der St. Mauritius Therapieklinik, Neuropädiatrie, ist die Entwicklung von VR-unterstützten Modulen für die Rehabilitation kognitiver Defizite und Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen mit erworbenen (z. B. Schädelhirntrauma, Schlaganfall) oder angeborenen neurologischen Erkrankungen (z. B. Cerebralparese).

Weitere Informationen: https://www.facebook.com/VR4RehabProject/