Gesundheitskongress des Westens: Debatten über Nachhaltigkeit in Medizin, Pflege und Krankenhauslandschaft

Beim Gesundheitskongress des Westens, der heute und gestern im Kölner Gürzenich stattfand, war „Nachhaltigkeit“ im Gesundheitswesen das Top-Thema.

Dabei ging es nicht nur um „grüne“, umweltfreundliche arbeitende Krankenhäuser, sondern vor allem um die zukünftige Versorgung einer immer älter werdenden Bevölkerung, also um Fachkräftemangel in der Pflege, ortsnahe ambulante und stationäre Grundversorgung sowie die Krankenhausplanung. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) warnte davor, den Fachkräftemangel zu unterschätzen und nicht nachhaltig zu lösen –was angesichts des knappen Personals und der Bedarfe mit den vorhandenen Strukturen absehbar nicht gelingen könne. „Die Frage des Personals wird in den kommenden Jahren die spannendere Frage sein als die Frage nach der Finanzierung“, so der Minister in seiner Eröffnungsrede. An der Personalfrage werde sich die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems orientieren – dabei sei jetzt schon klar, dass der Bedarf in den vorhandenen Strukturen nicht gedeckt werden könne. Man werde daher an „einer anderen Organisation der Pflege“ nicht vorbeikommen. „Das halten wir keine zwei, drei Jahre mehr durch, wenn wir so weitermachen“, so Laumann, „das wird uns um die Ohren fliegen.“ 
Die große Frage vieler Pflegekräfte, wie sie die Menschen so gut versorgen könnten, wie sie es gelernt haben, sei nicht gelöst. Der Minister betonte zudem die Wichtigkeit einer Ausbildungsvergütung für alle nichtakademischen Gesundheitsberufe sowie die Förderung der Arbeitskräftezuwanderung, zum Beispiel durch das NRW-Begrüßungsgeld für Pflegekräfte. Zudem schlägt Laumann vor, ein Pflegegeld für pflegende Angehörige als Lohnersatzleistung analog zum Elterngeld einzuführen.

Auch die Krankenhausplanung war mit Blick auf eine nachhaltige Grund- und Spezialversorgung Thema des Ministers – zunächst blickte Laumann auf die Pandemie: „Wir können froh sein, ein so breit aufgestelltes Krankenhaussystem gehabt zu haben – mir braucht niemand mehr mit den Niederlanden als Beispiel und Vorbild für eine Krankenhausplanung zu kommen“, sagte der Minister mit Blick auf die viel niedrigere, oft beispielhaft angeführte Krankenhausdichte im Nachbarland. Der aktuelle Krankenhausplan in NRW sei Vorbild für ganz Deutschland. „Ich bin stolz auf den bisherigen Konsens aller Beteiligten“, sagte er. „Wir gehen konsequent weg von der Planungsgröße ,Bett‘ und werden die Neuordnung nicht der Geisterhand des Marktes überlassen. Wir wollen qualitative Kriterien, Strukturqualität und Fallzahlen, die bei spezifischen Behandlungen für Kompetenz und Qualität bürgen.“ Eine „Bestandsgarantie“ für alle Kliniken allerdings sei unseriös – das betonte heute auch Helmut Watzlawik, Abteilungsleiter Krankenhausversorgung im NRW-Gesundheitsministerium. „Der Plan ist kein Krankenhaus-Schließungsplan“, betonte er. „Schließungen allein wären kein Zukunftskonzept.“ Es gehe auch nicht darum, sich auf große Krankenhäuser zu konzentrieren: „Wir müssen flächendeckend auch die Grund- und Notversorgung sichern, aber Versorgungsaufträge müssen auch wirtschaftlich sein.“ Es gehe dem Land darum, die Trägervielfalt und – das habe die Pandemie gezeigt – auch Reservekapazitäten zu erhalten. Eins sei allerdings am Ende klar: Es müssten auch Krankenhäuser geschlossen werden.

 

Bildunterschrift: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann wirbt für den neuen Krankenhausplan.